Kein Anfang ist immer romantisch. Eine 10hl-Anlage in einer ehemaligen Dosenfisch-Fabrikhalle in Hamburg-Stellingen viel Charme, aber auch viel Arbeit. Viel Improvisation, viel Verantwortung.
Eine neue Brauerei aufzubauen bedeutet nicht nur Neugier und Experimentierfreude, sondern vor allem Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, auch schwere Hürden zu meistern. Was mit einfachen Prozessen begann, entwickelte sich Schritt für Schritt weiter. Mehr Technik kam hinzu, Abläufe wurden professioneller. Doch der Kern blieb: Bier sollte nicht am Fließband entstehen, sondern durch Erfahrung, Sorgfalt und echte Leidenschaft für das Produkt. In den ersten Jahren wurde nahezu alles gebraut, was die moderne Bierwelt hergibt.
Über 70 Biere in mehr als 30 Stilen entstanden aus dem Wunsch heraus zu verstehen, wie weit man gehen kann und was wirklich begeistert: geschmacklich, handwerklich, kreativ. Simon bringt die Erfahrung vieler Jahre und Stationen in unterschiedlichen Brauereien und Ländern mit. Dieser internationale Blick fließt bis heute in neue Rezepte ein manchmal subtil, manchmal überraschend, aber immer mit dem Anspruch, Dinge weiterzudenken, ohne zu übertreiben. Und Entwicklung bringt irgendwann Klarheit. Nicht jede Möglichkeit muss dauerhaft genutzt werden. Und nicht jede Idee ist die richtige Lösung. 2020 kam der Einschnitt. Der Standort in Hamburg musste aufgegeben werden. Und es stand die Frage im Raum: Wie geht es weiter? Ein neuer städtischer Standort? Zurück in eine Fabrikhalle? Oder ein ganz anderer Weg?
Es wurde der Umzug aufs Land. Der Erwerb eines alten Bauernhofs ein lange leise gehegter Traum, der nun Realität werden durfte. Hier begann ein neues Kapitel, das mehr war als nur ein Ortswechsel. Es war und ist die bewusste Entscheidung, näher an den Ursprung zu rücken. Näher an das, was Bier im Kern ist: natürliche Rohstoffe, die im besten Fall in einem Kreislauf gedacht werden können. Die Sanierung und der Aufbau dieser eigenen Wirkungsstätte brachten eine andere Form der Freiheit. Hier dürfen Ideen wachsen, die anderswo nicht denselben Raum gehabt hätten. Der Wunsch, Zutaten bewusster zu wählen, mit eigenen Pflanzen zu arbeiten, Früchte, Kräuter und natürliche Einflüsse einzubeziehen, bekam reale Substanz. Was zuvor nur in Ansätzen ausprobiert wurde, durfte hier wirklich beginnen. Unter dem Namen LOST HORIZON FARM entstand eine Linie fassgelagerter und wild fermentierter Biere, die heute einen festen Bestandteil unserer Arbeit bildet. Holzfässer, Mikroflora, Zeit, Geduld und die Bereitschaft, Ergebnisse nicht vollständig kontrollieren zu wollen. Hier geht es nicht um bloße Überraschung, sondern um Tiefe. Um Aromatik, die sich entwickelt. Um Früchte, Kräuter und natürliche Zutaten, die neue Welten eröffnen. Und um die Idee, dass Bier nicht in ein Schema passen muss. Diese Biere sprechen nicht nur klassische Bierliebhaber an. Viele entdecken hier Aromen und Strukturen, die sie so nicht erwartet hätten. Manchmal ist der Weg zu unseren Farmbieren sogar der Einstieg für Menschen, die mit traditionellen Bierstilen wenig anfangen können. Gleichzeitig bleibt BUDDELSHIP das Schiff im Hafen für klassische, hopfenbetonte und untergärige Stile. Helles, Pils, Bock, Schwarzbier, IPA, NEIPA handwerklich präzise gebraut, klar im Profil. Und dennoch bleibt die Neugier. Es wäre zu einfach, sich auf Bewährtem auszuruhen. Deshalb entstehen kontinuierlich neue Sude und Einzelschargen. Manche Biere werden zu festen Größen, weil sie geliebt werden. Andere tauchen auf, erweitern das Spektrum und machen Platz für Neues. Vielfalt heißt nicht Beliebigkeit, sondern Bewegung. Der Norden bleibt unser Ursprung und unsere Haltung. Von hier aus versenden wir deutschlandweit, sind auf Festivals unterwegs und bringen unsere Biere dorthin, wo Menschen Lust auf gute Biere haben klassisch oder experimentell. Die Brauwelt ist kein Selbstläufer. Sie verlangt Leidenschaft, Geduld und die Bereitschaft, immer weiterzugehen. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden. Aber wir wollen Dinge schaffen, in denen Geschmack wachsen kann: bodenständig, wild, klar oder komplex. Wir sind nicht am Ziel. Und genau das ist unser Antrieb

